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Das kyrillische Alphabet

Das kyrillische Alphabet entstand am Anfang des 10. Jahrhunderts, als die heutigen Unterschiede zwischen den einzelnen slawischen Sprachen (Polnisch, Tschechisch, Slowakisch, Bulgarisch, Russisch und anderen ostslawischen Sprachen) noch nicht bestanden und eine Verständigung untereinander problemlos möglich war. Die Schaffung einer Schrift, die sich an die den slawischen Völkern gesprochene Sprache anlehnte, stand in enger Verbindung mit der Christianisierung der einzelnen Länder.

Auf die Bitte Fürst Rastislaws schickte der byzantinische Kaiser Michael III. die beiden Brüder Kyrill und Method ins Großmährische Reich, um dort eine selbständige Kirchenorganisation aufzubauen. Die beiden hochgebildeten Patriziersöhne stammten aus der Gegend um Saloniki und waren mit einem altbulgarischen Dialekt vertraut. Für die Missionierungsarbeit in Mähren schuf Kyrill die glagolitische Schrift (slawisch «glagol» — «Wort»). Diese «Clagolica», der vermutlich die griechische Majuskelschrift und verschiedene astronomische und chemische Symbole wie auch orientalische Schriftzeichen zugrunde lagen, war dem slawischen Lautsystem vorzüglich angepaßt. Die Brüder übersetzten die wichtigsten Kirchenbücher, bildeten Schüler aus und führten die slawische Liturgie in den Gottesdienst ein.

Die als «Slawenapostel» in die Geschichte eingegangenen Brüder gerieten bald in Konflikt mit der Papstkirche, da sie für die Ebenbürtigkeit der slawischen Sprache mit dem Griechischen, Lateinischen und Hebräischen eintraten und das Recht der slawischen Völker auf eine in ihrer Sprache abgehaltene Liturgie verteidigten. Nach dem Tod Kyrills und Methods wurden ihre Schüler aus Mähren vertrieben und gingen nach Bulgarien. Dort entstand das nach Kyrill benannte kyrillische Alphabet, das hauptsächlich auf den griechischen Großbuchstaben und den aus der Glagolica übernommenen Zeichen für die slawischen Zischlaute basierte. Das Altbulgarische (auch Altslawisch oder Altkirchenslawisch genannt) bildete die Grundlage für die Schriftsprache in Bulgarien, in der 988 christianisierten Kiever Rus und in Serbien. In Russland wird das kyrillische Alphabet, abgesehen von einigen 1709 durch Peter I. und 1917 durch die Sowjetmacht vorgenommenen Veränderungen, bis heute verwendet. Auch das Ukrainische benutzt das kyrillische Alphabet, allerdings weichen einige Buchstaben vom russischen Kyrillisch ab.

Russische Transliteration

kyrillisch lateinisch Aussprache
А, а a «a» in Vater
Б, б b «b» in Ball
В, в v «w» in Wasser
Г, г g «g» in gut
Д, д d «d» in Dom
Е, е e «je» in jeder
Ё, ё ë «jo» wie Joch
Ж, ж ž stimmhaftes «sch» wie in Garage oder Journal
З, з z «s» in Rose (stimmhaft)
И, и i «i» in Mine
Й, й j kurzes i wie in Mai
К, к k «k» in Karte
Л, л l «l» in Lampe
М, м m «m» in Mutter
Н, н n «n» in Nase (stimmlos)
О, о o «o» in Sommer (offen)
П, п p «p» in Post
Р, р r rollendes Zungenspitzen-r wie im Italienischen
С, с s «s» wie in was
Т, т t «t» in Tante
У, у u «u» in Mut
Ф, ф f «f» in Feder
Х, х ch «ch» wie in Bach
Ц, ц c «z» in Zebra
Ч, ч č «tsch» in Kutsche
Ш, ш š «sch» in Schule
Щ, щ šč «schtsch»
ъ   vorangehender Mitlaut wird härter ausgesprochen
Ы, ы y zwischen «i» und «y» in Fisch
ь   vorangehender Mitlaut wird weicher ausgesprochen
Э, э ė «e» in Erbe
Ю, ю ju «ju» in Juni
Я, я ja «ja» in Jasmin

Das Russische Alphabet

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